Entscheidungsfindung bei Adipositas: Neurobiologie, Verhalten und Plastizität

Bei dem Forschungsbereich „Entscheidungsfindung bei Adipositas: Neurobiologie, Verhalten und Plastizität“ handelt es sich um eine Nachwuchsforschungsgruppe, die dem Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen angehört.

Entscheidungsfindung hängt entscheidend von gelernten, teilweise automatischen, Assoziationen zwischen Reizen und ihren Konsequenzen, der Wertung dieser Konsequenzen sowie der Flexibilität zur Verhaltensanpassung im Hinblick auf aktuelle Bedürfnisse ab.

Ziel dieser Forschungsgruppe ist die Untersuchung der wichtigsten Faktoren, die dazu führen, dass sich normalgewichtige und adipöse Menschen in verschiedenen Situationen unterschiedlich entscheiden. Neben Funktion und Struktur des Gehirns werden wichtige Einflussfaktoren wie z. B. erlebter Stress, Geschlecht, Motivation, Homöostase, Genotyp für Adipositas-assoziierte Gene, Pegel von Hormonen, die an der Steuerung des Essverhaltens beteiligt sind, und psychologische Aspekte beleuchtet.

Zur Untersuchung der Entscheidungsfindung bei Adipositas stehen der Gruppe neben der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) zur Untersuchung von Hirnstruktur und -funktion auch Geräte zur gezielten Applikation von Geruchs- und Geschmacksreizen, zur Aufzeichnung und Analyse von Blickbewegungen, Hautleitwiderstand und Herzfrequenz zur Verfügung.

Auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse sind gezielte Interventionen geplant: Hierbei soll einerseits die endogene Sensitivität des Gehirns für plastische Veränderungen verändert werden. Andererseits sollen exogenen Faktoren, die das Gleichgewicht zwischen habituellem und zielgerichtetem Handeln negativ beeinflussen, identifiziert und möglichst ausgeschaltet werden. Die Verbindung des erarbeiteten Wissens mit Strategien einer angepassten Intervention zur Entwicklung eines vorteilhafteren Verhaltens wird somit zur Wiedererlangung kognitiver Kontrolle über bislang gewohnheitsmässiges Verhalten führen.